Der Untergang der «Dresden» in chilenischen Gewässern: Katz-und-Maus-Spiel im Pazifik

Die «Dresden» wurde bei Blohm+Voss in Hamburg gebaut und lief am 5. Oktober 1907 vom Stapel. Der sogenannte Kleine Kreuzer verfügte über vier Propeller mit Turbinenantrieb und war das erste Schiff dieser Werft mit einer solchen Antriebslage. Das Pionier-Typschiff der «Dresden-Klasse» mit einer Länge von 118,3 Metern und einer Breite von 13,5 Metern, ausgerüstet mit Kanonen, Maschinengewehren und Torpedorohren, wurde in den Dienst der Kaiserlichen Marine gestellt.

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Im Ersten Weltkrieg kreuzte die «Dresden» im Südatlantik und versenkte dort britische Handelsschiffe. Nach einem Treffen mit dem Ostasiengeschwader unter Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee vor der Osterinsel kam es am 1. November 1914 zum Seegefecht bei Coronel. Die «Dresden», die «Leipzig» und die «Nürnberg» sowie die Großen Kreuzer «Scharnhorst» und «Gneisenau» versenkten dabei die britischen Panzerkreuzer «Good Hope» und «Monmouth». Admiral Sir Christopher Cradock verlor zudem 1.700 Mann.

Nach der erfolgreichen Schlacht füllte das deutsche Geschwader Vorräte in Valparaíso auf und nahm Kurs auf Kap Hoorn. Die «Dresden» konnte hierbei den Frachter «North Wales» versenken.

Am 8. Dezember 1914 kam es zum Seegefecht bei den Falklandinseln. Die Briten hatten durch Coronel erstmals nach 100 Jahren die Niederlage eines Geschwaders verkraften müssen, so dass zur Wiederherstellung des britischen Prestiges ein Verband schneller Schlachtkreuzer zu den Falklandinseln geschicht wurde. Die Absicht verfehlte nicht ihre Wirkung: Das deutsche Geschwader – mit 2.200 Toten – wurde vernichtet – bis auf eine Ausnahme, was ein Nachspiel zur Folge hatte.

Die «Dresden» konnte dank ihres Turbinenantriebs entkommen und versteckte sich in den Fjorden Feuerlands vor den britischen Verfolgern. Auf der Flucht erhielt das Schiff Unterstützung von des deutschen Seemanns AlbertPagels in Punta Arenas, der später den Flieger Günther Plüschow mit seinen detaillierten Ortskenntnissen beraten sollte. Zudem wurde der in Montevideo befindliche «Sierra Córdoba» des Norddeutschen Lloyd mit Kohle, Proviant und Ersatzteilen zur Unterstützung des Kreuzers entsandt.

Am 13. Februar 1915 verließen beide Schiffe die Magellanstraße in Richtung Pazifik. Über abgehörte Funksprüche nahm der britische Panzerkreuzer «Kent» erneut die Verfolgung auf. Noch einmal konnte sich die «Dresden» in die Cumberlandbucht der Insel Robinson Crusoe des chilenischen Juan-Fernández-Archipels retten und ging dort am 9. März bei San Juan Batista vor Anker. Doch das Katz-und-Maus-Spiel hatte eine Ende.

Unter Missachtung der Neutralität beschossen die brititschen Kreuzer «Glasgow» und «Kent» das deutsche Schiff. Verhandlungen des Oberleutnants zur See und späteren Leiters der Abwehr des militärischen Geheimdienstes der Wehrmacht, Wilhelm Canaris, waren erfolglos. Immerhin gewann Kapitän Lüdecke dadurch Zeit und ordnete die Versenkung seines Schiffes an. Wegen beschädigter Maschinen und der schwierigen Versorgungslage hatte er die «Dresden» eigentlich in Chile internieren lassen wollen. Doch so kam es anders: Um 11.15 Uhr ging die «Dresden» unter und liegt seitdem in 60 Metern Tiefe auf dem Grund der Cumberland-Bucht.

Während mehreren Leuten, darunter Wilhelm Canaris, die Flucht nach Deutschland gelang, wurde die übrige Besatzung in Chile interniert und musste sich selbst versorgen. Die Männer legten Gärten an, züchteten Hühner und hielten sich Kühe. Ein Teil der Mannschaft kehrte erst 30. Dezember 1919 nach Deutschland zurück. Ein anderer Teil blieb auf der Insel; einige Gräber sind dort heute noch zu sehen.

Die gut erhaltene, 155 Kilogramm schwere Schiffsglocke wurde 2006 von chilenischen und deutschen Tauchern geborgen. Nach ihrer Restaurierung im Archäologischen Landesmuseum Schleswig ist sie nun im Militärhistorischem Museum der Bundeswehr in Dresden zu bewundern.

 

Von Arne Dettmann

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